Wenn du mit dem Smartphone filmst, ist die Versuchung groß, einfach draufzuhalten. Du bist nah dran, die Kamera ist schnell startklar – und zack, hast du Material, ohne dieses groß vorzubereiten. Das Problem merkst du oft erst später: Im Schnitt wirkt der Film hektisch, unruhig oder irgendwie zusammengewürfelt. Schnitte sind unsauber, die Einstellungen sind sich zwar ähnlich, aber nicht wirklich aneinander angepasst – es herrscht keine Balance. Nicht, weil dein Handy schlecht wäre. Sondern weil dem Video eine klare Bildsprache fehlt.
Genau hier kommen Kamera Einstellungsgrößen ins Spiel. Sie helfen dir, den Bildausschnitt bewusst zu wählen, einen Überblick zu geben oder gezielt Emotion zu erzeugen. Und das Beste: Du musst dafür kein Filmtalent sein – der richtige Umgang mit Einstellungsgrößen ist einfach erlehrt. Du brauchst nur ein einfaches System, das du bei jeder Szene wiederholen kannst.
In diesem Artikel erkläre ich dir Einstellungsgrößen so, dass du sie sofort beim nächsten Dreh anwenden kannst – inklusive einer Faustformel, wie viele Einstellungen pro Szene wirklich sinnvoll sind (ohne dass du den Aufwand verdreifachst).
Was sind Einstellungsgrößen überhaupt?
Wenn wir von Einstellungsgrößen sprechen, geht es im Kern um eine Frage: Wie nah ist die Kamera am Motiv? Oder anders gesagt: Was zeigt der Bildausschnitt – viel Umgebung oder eher das Gesicht, die Hände, ein Detail?
Diese Einstellungsgrößen sind Stufen, die dich Schritt für Schritt näher an eine Person oder ein Objekt heranführen. Du beginnst häufig mit einem Gesamtbild und kommst dann immer dichter ran – bis du im Detail bist. Das ist nicht nur eine technische Entscheidung. Diese Einstellung wird vor allem eine dramaturgische Entscheidung: Sie bestimmt, wie Zuschauer*innen etwas wahrnehmen. Übersicht oder Nähe. Distanz oder Emotion. Information oder Stimmung.
Totale: Wenn du den größten Überblick geben willst
Die Totale ist die Einstellungsgröße mit dem größten Überblick. Sie zeigt eine Szene als Ganzes und beantwortet sofort: Wo sind wir? Was passiert hier? Wie sieht die Umgebung aus?
Wenn du zum Beispiel ein Recruiting-Video drehst und zeigen willst, wie ein Arbeitsplatz aussieht, eignet sich diese Einstellung perfekt. Denn die Umgebung ist sichtbar: Büro, Team, Raumgefühl, Beziehungsdynamiken. Zuschauende können sich demnach einfach orientieren.
Wichtig ist aber; der Zweck der Totale ist nicht nur, dass sie besonders weit ist. Sie ist ein Einstieg. Sie baut Kontext und macht spätere nähere Shots verständlicher.
Halbtotale / amerikanische Einstellung: Nähe, ohne Kontext zu verlieren
Nach der Totalen kannst du dich langsam annähern. Hier kommen Zwischenstufen ins Spiel – zum Beispiel die Halbtotale und vor allem die amerikanische Einstellung.
Die amerikanische Einstellung ist ein klassischer Filmbegriff. Sie zeigt eine Person ungefähr von den Oberschenkeln aufwärts – also deutlich näher als die Totale, aber noch nicht so nah wie ein Close-Up. Man sieht noch genug Umgebung, aber der Fokus liegt stärker auf der Person. Diese Einstellung wird häufig genutzt, wenn du Menschen in Aktion zeigst: jemand läuft durchs Büro, steht an einem Tisch, arbeitet an einem Gerät. Du hast eine klare Hauptfigur, zeigst eine Bewegung, aber trotzdem bleibt der Raum lesbar, du isolierst den Körper also nicht von seinem Kontext. Wenn du also vom Überblick in die Geschichte willst, ist das ein perfekter Zwischenschritt.
Medium Shot: Der Standard für Gespräche und Erklärungen
Der Medium Shot (oft auch „Halbnah“) ist einer der wichtigsten Shots, gerade bei Smartphone-Videos. Hier siehst du eine Person meist vom Kopf bis ungefähr zur Taille oder Brust. Die Gestik ist sichtbar, die Mimik wird deutlich, und der Zuschauer ist näher dran.
Diese Einstellung eignet sich besonders für Genres wie…
- Interviews
- Moderationen
- Erklärvideos
- kurze Statements
Sie wirkt seriös, klar, nahbar und zeigt Gefühle, ohne zu intim zu sein, ohne ungemütlich zu werden. Wenn dein Video besonders kurz ist und deine Message auch in einer Einstellung überbracht werden kann, dann ist der Medium Shot eigentlich fast immer eine gute Wahl.
Nahaufnahme und Detail: Wenn Emotion oder Bedeutung im Vordergrund steht
Je näher du an eine Person herangehst, desto emotionaler wird das Bild. Das liegt daran, dass du dem Zuschauenden weniger Ablenkung gibst. Du zwingst ihn, sich auf Mimik, Gestik oder ein Objekt zu fokussieren, ohne einen visuellen Ausweg.
Ein sehr praktisches Beispiel aus einer der Lektionen meines On-Demand Videoworkshops : Stell dir vor, ein Geschäftsführerin muss Mitarbeitenden mitteilen, dass das Unternehmen in Kurzarbeit einsteigen muss. Das ist ein ernstes Thema. Hier willst du nicht in der Totale bleiben. Du willst sehen, dass es der Person nicht egal ist, was sie ankündigt. Du willst Empathie aufbauen, auch digital eine Verbindung herstellen.
Also gehst du näher ran – Richtung Close-Up. Du zeigst den Kopf, die Augen, die Mimik. Und genau dadurch entsteht Wirkung.
Das Detail hingegen ist noch eine Stufe weiter: Du zeigst nicht mehr die Person als Ganzes, sondern gezielt ein Element. Hände, Tastatur, Bildschirm, ein Produktdetail. Details machen Aussagen konkret. Sie geben dem Film Substanz.
Wenn du zum Beispiel in einem Recruiting-Video zeigen willst, dass ihr mit neuen Geräten arbeitet, dann zeigt ein Detail vielleicht das MacBook, das Smartphone, die Tastatur oder ein bestimmtes Tool.
Als Faustformel kann man aus diesem Überblick ableiten: Eine Totale schenkt Überblick, das Detail gibt Bedeutung. Und zwischen den beiden liegt deine Geschichte.
Der größte Schnittfehler: Von Totale direkt ins Detail springen
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Du kannst nicht einfach so von einer Totale auf ein Detail springen – zumindest nicht ständig.
Wenn dein Schnitt so funktioniert:
Totale → Detail → Totale → Detail → Totale → Detail
…dann wirkt das Video schnell hektisch. Die Zuschauenden müssen ständig umdenken. Doch auch du verlierst im Schnitt Orientierung. Und obwohl du eigentlich mehr zeigen willst, fühlt es sich unruhig an.
Die Lösung ist simpel: Filme auch die Zwischenstufen.
Wenn du das Büro in der Totalen zeigst, filme es danach vielleicht nochmal in der amerikanischen Einstellung oder als Medium Shot (also dichter dran), bevor du ins Close-Up oder Detail gehst. So entsteht ein natürlicher Rhythmus. Wieso ein Rhythmus der Bildsprache besonders in den sozialen Medien gefragt ist, kannst du hier nachlesen.
Um es einmal trivial zu beschreiben, kannst du dir den Videoschnitt etwa wie das Treppensteigen vorstellen: Du springst nicht vom Erdgeschoss direkt aufs Dach. Du nimmst Stufen – und genau diese Stufen sind deine Einstellungsgrößen.
Praxis-Regel: Wie viele Einstellungsgrößen pro Szene brauchst du wirklich?
Ich kenne eine klassische Faustregel aus der kommerziellen Filmwelt: Jede Szene in drei Einstellungsgrößen filmen. Das ist sehr anspruchsvoll – und es kostet Zeit. Denn du brauchst mehr Takes, mehr Perspektiven, mehr Material.
Für Smartphone-Produktionen im Alltag ist das nicht immer realistisch. Und um ehrlich zu sein, oft reicht weniger.
Meine Empfehlung aus der Praxis sind daher…
- Wenn du es schaffst, hin und wieder zwei Einstellungsgrößen pro Szene zu filmen, bist du bereits sehr gut aufgestellt.
- Drei Einstellungsgrößen sind großartig, aber nicht zwingend notwendig.
- Wenn du Videos, wie beispielsweise eine Ansprache, auf dem Handy aufnimmst, kannst du nämlich auch im Editing noch leicht einen Wechsel der Kamera Einstellungsgrößen durch Ran- und Rauszoomen suggerieren
Ein einfacher Workflow wäre zum Beispiel:
- Totale (Überblick / Ort)
- Medium Shot oder amerikanische Einstellung (Handlung / Person)
- Detail (Beweis / Atmosphäre / Produkt)
Wenn du nur zwei schaffst: Überblick + Nähe. Oder Nähe + Detail. Hauptsache, du hast im Schnitt mehr als nur eine Einstellung, mit der du arbeiten kannst.
Warum das für Smartphone-Videos besonders wichtig ist
Beim Smartphone ist die Kamera oft sehr nah dran – einfach, weil man das Handy so hält. Dadurch fehlt vielen Videos automatisch der Überblick. Du hast dann sehr viel Close-Up, aber wenig Kontext. Oder man filmt alles in derselben Einstellung, weil man dem Dreh nicht den Flow nehmen will, doch dann wird das Video schnell monoton.
Einstellungsgrößen helfen dir also gegen gängige Fehler wie fehlende Variation, hektische Sprünge oder unklare Bildsprache vorzubeugen.
Und sie geben dir gleichzeitig eine einfache Planungslogik, die du sogar ins Storyboard übernehmen kannst: Welche Szene soll einen Überblick gewähren? Welche Szene transportiert Emotion? Wo würde ein Detail effektiv zum Einsatz kommen?
Fazit: Einstellungsgrößen sind dein einfachster Hebel für bessere Videos
Kamera Einstellungsgrößen klingen technisch – sind aber in Wahrheit ein kreatives Werkzeug. Sie helfen dir, eine Szene verständlich aufzubauen, den Zuschauer zu führen und deinem Film Rhythmus zu geben.
Wenn du dir nur eine Sache merken willst, dann lass es diese sein:
- Totale = Überblick und Orientierung
- Medium Shot / amerikanische Einstellung = Nähe, Handlung, Klarheit
- Detail = Emotion, Bedeutung, Story-Substanz
Und spring nicht dauernd von ganz weit nach ganz nah. Nimm Zwischenstufen mit, damit dein Schnitt natürlich und dynamisch wirkt ohne zu verwirren.
Wenn du künftig bei wichtigen Szenen wenigstens zwei Einstellungsgrößen filmst, wird deine Videoproduktion mit dem Smartphone sofort professioneller wirken – und du wirst beim Bearbeiten deutlich entspannter sein, weil du echte Optionen hast.
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